Portrait des LG

In dieser Rubrik lesen Sie, wie ehemalige und aktuelle Schüler, Lehrer und Eltern das Ludwigsgymnasium charakterisieren.

 

Noch überwiegt bei weitem die Zahl der Beiträge der ehemaligen Schüler, aber das ändert sich ja vielleicht noch?
Die meisten ehemaligen Schüler heben auf ihre humanistische Tradition ab. Das Ludwigsgymnasium war ursprünglich ein rein humanistisches Gymnasium, bietet aber nun seit geraumer Zeit auch den neusprachlichen Zweig an, der von den Schülern mehrheitlich besucht wird.

 

In meiner Zeit am Ludwigsgymasium haben mich wenige, dafür herausragende Lehrer maßgeblich beeinflusst: Hedwig Schultes, Hans Heißner, Günther Steinmüller, Albert von Schirnding, Peter Granzow. Pädagogen, die nicht nur fachlich sondern vor allem persönlich überzeugten, weil sie sich selbst und uns das Beste abverlangten und weil sie mehr waren als „nur“ gute Gymnasiallehrer. Ihnen verdanke ich noch heute mein täglich stärker werdendes Interesse für Kunst und Kultur.
Michael Weidenhiller, Absolvia 1974, Leiter des Referates für Kulturelle Bildung am Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus

 

Was bedeutet das Ludwigsgymnasium für mich?
Eine immer wieder aufkeimende Hoffnung, dass sich - trotz G8 und LEV - die Angleichung des Gymnasiums an die Hauptschule nicht so schnell vollzieht, wie häufig befürchtet oder ersehnt.
Dr. Klaus Gladiator

 

Für mich als ehemaliger Lehrer für Mathematik, Physik, Astronomie und Informatik von 1976 bis 2007 war der Besuch des Nobelpreisträgers Klaus von Klitzing im Jahr der Physik ein Höhepunkt. Er begeisterte nicht nur mich, sondern auch die Schüler der 12. und 11. Klassen. Obwohl das LG zunächst nur altsprachlich war und dann auch neusprachlich ausgerichtet wurde, gab es genug begabte und für Physik interessierte Schüler, so dass immer wieder Physik – Leistungskurse gebildet werden konnten. Ich selbst führte noch direkt vor meiner Pensionierung im Juli 2007 einen Physik - LK zum Abitur. In den 80er Jahren gab es sogar einmal zwei Physik - LKs parallel, als die Schülerzahl insgesamt 1500 überstieg.

Als langjähriges Personalratsmitglied lernte ich die besondere Atmosphäre, den „guten Geist des Ludwigsgymnasiums“ sehr zu schätzen. Er zeichnet sich durch Toleranz, Hilfsbereitschaft und Bemühung um ein hohes Niveau bei Schülern und Kollegen aus. Da ich gern an meine ehemaligen Schüler denke, bin ich auch Mitglied in der Organisation ehemaliger Schüler und Lehrer, der „Ludoviciana“.

Dipl. – Phys.  Dr. Heinrich Stremme

 

1959 habe ich Abitur noch im alten Gebäude des Ludwigs Gymnasium gemacht. Dort haben wir im freiwilligen Kunstunterricht auch das Mosaik von Platons Höhlengleichnis entworfen und umgesetzt.Mir ist die musische Ausbildung, die ich vor allem im Kunst- und Musikunterricht  am Ludwigsgymnasium genossen habe, eine ganz wichtige Grundlage für meinen Berufsweg geworden.Bildung ist wichtiger als Ausbildung, Denkvermögen ist wichtiger als Wissen zu speichern. Gerade die Grundlage der humanistischen Ausbildung mit Latein und Griechisch hat mir mehr gebracht als Fachwissen, das in ein paar Jahren veraltert.
Prof. Dr. Claus Hipp

 

Die Zeit am Ludwigsgymnasium war für mich aufregend, zumal ich aus einer Kleinstadt in die Großstadt wechselte. Ich durfte meinen Griechisch-Unterricht bei Herrn Albert von Schirnding geniessen, weit mehr als ein Unterricht, er hat uns die Augen geöffnet für die Schönheit, die Faszination, die Bedeutung des freien Geisteslebens, was in krassem Widerspruch stand zum Ungeist, der uns von der administrativen, ministeriellen Seite herunter- und entgegenwehte. Dennoch begann hier, spätestens seit der Mitarbeit an der Schülerzeitung (immer noch "Herold"?) mein persönlicher Aufbruch ins sprachschöpfende Metier.
Ecco Meineke, Abitur 1980, u.a. Münchner Lach- und Schieß
 

Das Gegenteil von Mittelmaß
Es waren die letzten Jahre einer brisanten Mischung, an der man sich aufrichten, ausrichten und reiben konnte. Die letzten Lehrer-Jahrgänge, die noch in der Nazi-Zeit sozialisiert worden waren, unterrichteten noch - ekelhaft autoritär mit Angst-Methoden. Aber den Geist des Gymnasiums prägten schon die exzentrischen Freigeister, die es so nur an humanistischen Gymnasien gibt, weil vor allem Griechisch der Hort des unangepassten freien, weil wirtschaftlich nutzfreien Denkens ist. Und es waren die Jahre, als die Jung-68er noch nicht desillusionierte Alt-68er waren. Insgesamt war es die beste Zeit des Ludwigsgymnasiums als bester Ort, um Menschen zu freien Persönlichkeiten heranwachsen zu lassen.
Adrian Prechtel, Abitur 1986, Kulturredakteur der Abendzeitung und Rechtsanwalt
Herr Prechtel veröffentlichte 1997 einen Artikel in der SZ, in dem er sich an das Ludwigsgymnasium erinnerte. Sie können ihn hier lesen.


Das "Ludwigs" war für mich fordernd und prägend, die humanistische Ausbildung und auch der humanistische Geist in meinen Schuljahren waren und sind Fundament meines späteren Lebens. Ich habe hier auch das Rüstzeug für mein Studium und meinen späteren Berufsweg erhalten und ich bin heute noch dankbar für das milde Urteil wahrhaft human(istisch)er Prüfer im mündlichen Griechischabitur. Auch wenn heute Anforderungen und Herausforderungen anders sind als vor 50 Jahren, ich wünsche dem Ludwigs, dass der humanistische Geist auch zukünftig Lehrer wie Schüler begleitet.
Gerhard Zierl, Abitur 1968, Präsident des Amtsgerichts München

 

Das Ludwigsgymnasium hat einen Innenhof und viele Kinder fahren Fahrrad. Nur das Wasser im Schwimmbad ist kalt.

J.M.,  5. Jgst.

 

Was bedeutet mir das LG?
Je 4 mal Latein und Griechisch (mit-)gelernt, hat mir erneut und sehr vertieft die Augen geöffnet für Sprachstrukturen und die Basis unserer Kultur. Wobei man sich dann auch wundert und nachdenklich wird, wenn man sieht, dass die Römer außer dem Staats- und Militärwesen eigentlich nichts über die griechischen Erkenntnisse hinaus beigetragen haben. Und man fragt sich weiter, was wir daraus gemacht bzw. noch drauf gesetzt haben. Latein ist m.E. unverzichtbar und den Luxus des Griechischen sollte man sich in der Schulzeit gönnen, dazu sollte eine Schule mit der Tradition des LG weiterhin beitragen.
Andreas Bittkau, ehemaliger Vorsitzender des Elternbeirats

 

Vergleiche ich Volksschule, Gymnasium und Studium war im Rückblick meine Zeit auf dem "Ludwigs" sicherlich die wichtigste für mich. Die Qualität der Ausbildung war hoch und die Kameradschaft zu Mitschülern und Lehrern groß. Insbesondere bin ich meinen Sport- und Musiklehrern dankbar, dass sie mir Wege und Möglichkeiten aufgezeigt haben, die mich bis heute faszinieren und begleiten. Wie prägend diese Zeit für mich war, beweist alleine schon, dass ich mich nicht nur an die schlechten Noten in der 6. Klasse, sondern auch noch an viele Gesichter und Namen, jeden Schritt auf dem Schulhof, und jede "chlorgetränkte" Bahn im Schwimmbad genau erinnere, obwohl es in diesem Jahr 30 Jahre her ist, dass ich mein Abitur gemacht habe.
Fred Kogel, Abitur 1980, Politologe und Rechtswissenschaftler, Aufsichtsratsvorsitzender der Constantin Film AG und der Constantin Medien AG, Produzent der TV-Sendung "Harald Schmidt"

 

Das Ludwigsgymnasium, auf das ich 1966 kam, war für mich der Inbegriff eines zeitgemäßen Gymnasiums, weil es neben einem damals sehr modernen – und ja heute noch überzeugenden - Schulgebäude auch noch ein (für einen Zehnjährigen natürlich sehr anziehendes) Schwimmbad aufweisen konnte! Dass aber auch die Musikerziehung und das Schulorchester hochgehalten wurden, war für mich ein zusätzliches, sehr attraktives Moment. Rückblickend betrachtet war aber dann doch wohl die größere Anzahl von außergewöhnlichen und beeindruckenden Lehrerpersönlichkeiten aus den verschiedensten Fachgebieten entscheidend und letztlich für mein ganzes Leben prägend. Die Jahre am Ludwigsgymnasium zähle ich zu den angenehmsten meines Lebens!

Andreas Groethuysen, Pianist

 

Es waren Zeiten des Umbruchs, wenn man wie ich von 1955 bis 1964 das Ludwigsgymnasium besuchte. Da waren noch einige wenige alte Lehrer, die die NS-Zeit wie auch immer überstanden hatten, jüngere Lehrer, die noch im alten Stil ausgebildet, sich aber zum Teil bewusst waren, dass die alten Erziehungsideale hinterfragt werden mussten, und in den Schulbänken saßen Schüler, die die Lässigkeit der amerikanischen Besatzungstruppen nachahmten, aber ihre Mädchen in der Tanzschule noch „siezten“, die die griechischen Philosophen noch im Original lesen sollten, sich aber gleichzeitig für den amerikanischen Soldatensender AFN begeisterten. Obwohl ich nach wie vor Griechisch- und Latein-Fan bin, das Hohe Lied auf die humanistische Erziehung will mir nicht recht glücken: Zu stümperhaft waren unsere Übersetzungen, als dass daraus Merksätze für das Leben geworden wären. Was mich aber wirklich geprägt hat – bis heute - sind Lehrer, die unabhängig von didaktisch-methodischen Modeerscheinungen einfach mitreißen und junge Menschen begeistern konnten. Und die gab es in unserer Schule, auch weil sich die Lehrer nicht vom Lehrplan knechten ließen, sondern selbstbewusst ihren Unterricht gestalteten.

Hannes Schober, Oberstudiendirektor a.D., Abitur 1964

 

(Lesen Sie außerdem: Wer war am LG?)